Sind Obdachlose (Penner) eigentlich keine Menschen?
30. Dezember 2007 von hb-Team
Sicherlich eine Fragestellung, die zunächst recht provokant erscheint, aber in Anbetracht einer kleinen Meldung in der „Berliner Zeitung“ doch gestellt werden darf. War doch dort zu lesen, dass ein Obdachloser über einen Monat neben einem Weggefährten nächtigte, der bereits gestorben war.
Erst am vergangenen Freitag fasste sich der 45-Jährige ein Herz und stoppte in Berlin-Niederschönweide ein vorbeifahrendes Fahrzeug der Bundespolizei und zeigte den Beamten die letzte Ruhestätte (ein verlassenes Haus, was einmal der Bahn gehörte) seines bereits von Ratten angefressenen toten Freundes. Nun ist es an der Gerichtsmedizin die Todesursache des Verstorbenen ca. 40-50 Jahre alten ebenfalls Obdachlosen zu klären. Hinweise auf ein Fremdverschulden gibt es laut einem Polizeisprecher derzeit nicht.
Auf Nachfrage, warum der Freund nicht früher die Polizei über den Tod informiert hat, sagte dieser, dass er sich einfach nicht getraut habe, da er vielleicht selbst für den Tod seines Freundes hätte verantwortlich gemacht werden können.
Was für eine tolle menschlich nachvollziehbare Begründung, dann doch lieber zusehen wie der vermeintliche Freund von den Ratten langsam aufgefressen wird.
Euer hb-Team

Vielleicht wäre es nachvollziehbarer, wenn wir mal aus unserer mollig-warmen Welt aus- und in die der Berber einstiegen. Eine Welt, in der man verhungern kann und erfrieren; sterben, während Passanten zusehen. Zusammengetreten von Rechten.
Den Begriff “Penner” solltest du dir schnellstmöglich abgewöhnen.
@ Mario H.
Nein, es ist nicht nachvollziehbar, dass ein Mensch nur der Umgebung wegen sich so verhält. Da hilft es auch nicht, in Deinem Kommentar einen Zustand (verhungern, erfrieren, sterben) zu beschreiben, den die Betroffenen meist selbst gewählt haben.
Und wie rechtfertigt die falsche Entscheidung eins Einzelnen, ein Urteil über alle zu bilden?
Oder ging es Dir nur um die provokante Schlagzeile?
Die Gründe kann man wohl in seiner mollig warmen Wohnung mit allerlei Annehmlichkeiten kaum nachvollziehen, jedoch frage ich mich warum es diese Obdachlosen überhaupt gibt, ist meine Vorstellung von deutschen Sozialleistungen so falsch?
Frank: Das habe ich mich neulich auch gefragt. Das frage ich mich eigentlich immer, wenn ich am Bahnsteig stehe und neben mir jemand den Mülleimer nach Verwertbarem checkt.
Strelon: Wieso findest du es nicht nachvollziehbar der Umgebung wegen? Schonmal davon gehört, dass die Umgebung psychische Auswirkungen auf dich hat? Gefangenschaft, Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit, Angst. Ich bekomme bei einigen deiner Artikel oft den Eindruck, dass du dich nie wirklich versucht hast in so eine Person reinzudenken.
“[...] den die Betroffenen meist selbst gewählt haben.” – und woher nimmst du diese Weisheit? Das ist doch pure Spekulation. Es heißt: Man landet schneller unter der Brücke als man glaubt. Versuch mal wieder hochzukommen in Deutschland, wenn du keine Adresse hast. Ohne Adresse läuft NICHTS. Kein Job, kein Konto, kein Gehalt.
[...] Sind Obdachlose (Penner) eigentlich keine Menschen? bei heuteblog.de [...]
@ laZee
Warum müssen wir Deutschen uns immer bis ins letzte Detail in alles hineindenken, um dann vielleicht im Ergebnis das oben beschriebene Verhalten doch verstehen zu müssen. Führt das nicht dazu, dass unsere Gesellschaft dann nicht mehr in der Lage ist, die Probleme benennen zu wollen?