Gastbeitrag: „DDR“-Blockflöte Otto Nuschke nochmals gestorben?
30. Dezember 2007 von hb-Team
Beim gestrigen Lesen der Berliner Zeitung gelangte ich nach einiger Zeit auf die Seite 14. Neben interessanten Artikeln aus der Wirtschaft begegneten mir dort auch die wöchentlichen Traueranzeigen. Bis dahin nicht weiter ungewöhnlich, doch stach mir ein dort im schwarzen Rahmen abgedruckter Name sofort ins Auge. Es handelte sich um Otto Nuschke, welcher nicht etwa kürzlich verstorben ist, sondern bereits am 27.12.1957 (siehe Ausriss) verstarb. Aber, UNVERGESSEN!

Ausriss: Berliner Zeitung, Seite 14 vom 29.12.2007
Wer jetzt auf Anhieb nicht ganz so viel mit dem Namen Otto Nuschke anfangen kann, nachfolgend ein paar Stationen aus dem bewegten Leben des besagten Herrn. Bei Otto Nuschke handelt es sich um einen deutschen Unrechts-Politiker, welcher insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) durch verschiedene politisch motivierte Taten aufgefallen ist (Teilung der CDU in OST- und WEST-CDU, Anerkenntnis des Vormachtanspruchs der SED – jetzt PDS/Die Linken-, Beteiligung an der Einheitsliste zu den Volkskammerwahlen) und so die Teilung Deutschlands nachhaltig vorangebracht hat. All das bleibt UNVERGESSEN!
Zunächst wurde Nuschke 1948 nach der Entmachtung von Jakob Kaiser als Dank von der sowjetischen Besatzungsmacht als neuer Vorsitzender der OST-CDU eingesetzt. Im gleichen Jahr wurde er gemeinsam mit Wilhelm Pieck (SED) und Wilhelm Külz (LDPD) Vorsitzender des Deutschen Volksrates, der die Verfassung der DDR ausarbeitete. Im darauf folgenden Jahr wurde er Mitglied der provisorischen Volkskammer der DDR, der er bis zu seinem Tode 1957 angehörte. Abgerundet wird sein politisches Wirken durch das Amt des stellvertretenden Ministerpräsidenten der DDR. All das bleibt UNVERGESSEN!
Soweit so schlecht, was mich jetzt nochmals auf die einleitend erwähnte Traueranzeige zurück kommen lässt. Wer eigentlich gibt 50 Jahre nach dem Tod eines ewig Gestrigen eine kostspielige quasi anonyme Traueranzeige in einer großen Berliner Tageszeitung auf. Vermutet werden darf, dass es nicht etwa echte Freunde von Herrn Nuschke waren, die in dieser Form nochmals an ihn erinnern wollten. Allein schon deshalb, da besagte Freunde mittlerweile annähernd gleichen Alters (124 Jahre) sein müssten, was trotz voranschreitender medizinischer Errungenschaften doch eher unwahrscheinlich ist. Nein, wahrscheinlich mal wieder eine bewusst gesteuerte Aktion vermögender alter „DDR“-Seilschaften, welche mit nach der Wende veruntreuten volkseigenen Vermögen auf diese Art versuchen, einen Menschen „UNVERGESSEN“ zu machen, der in Wirklichkeit vielen Menschen in unserem Land mit seinem Wirken nach dem zweiten Weltkrieg zu keiner Zeit einen großen Dienst erwiesen hat. Zweiflern sei vielleicht noch gesagt, daß auch das Land Berlin Otto Nuschke nicht als ehrenwert erachtete und darum die nach im benannte Straße am Gendarmenmarkt 1991 in „Jägerstraße“ zurückbenannte. UNVERGESSEN!
Friedel