Nachruf: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“
14. November 2007 von Strelon
Diesen Satz sagte im Mai 2006 der gestern aus persönlichen Gründen zurückgetretene Arbeitsminister und Vizekanzler Franz Müntefering in einer Sitzung der SPD-Bundestagsfraktion.
Dies vorausgeschickt würde es mich nicht wundern, wenn jetzt auch der letzte „Sozialschmarotzer“ wieder Licht am Ende des Tunnels sieht. Besteht doch nach dem Weggang von Franz Müntefering begründet die Hoffnung, dass die SPD um Landesvater Kurt Beck die einst vom Genossen Schröder inszenierte „Agenda 2010“ beerdigt, um dem Selbstbedienungsladen „Sozialstaat“ mal wieder verlängerte Öffnungszeiten zu bescheren.
Sollte es nach der nächsten Wahl 2009 so kommen, würde es dem seit 20 Jahren arbeitslosen 40-jährigen alkoholkranken „Vati“ nebst Frau und zwei Kindern mit katastrophaler Sozialprognose bestimmt freuen. Könnte er und seine Familie doch den vom Staat bezahlten „All-Inclusive-Urlaub“ in den nächsten 20 Jahren monatlich wiederkehrend im übertragenen Sinne in einem „Hotel“ mit besserer Ausstattung und reichhaltigerem Getränkeangebot fortsetzen, um anschließend mit „60“ völlig entspannt den vorzeitigen Ruhestand anzutreten.


na, vieleicht wirste auch nochmal so’n armer Vati, wer weiss!
Is noch nich aller Tage Abend, Boy! Bist wohl noch nen bisschen grün hinter die ohren, wa!?
Wennde jetzt nämlich nich humanistisch bist, wirste späta selber auch nich humanistisch behandelt, capito! Dann kannste einfach abkratzen, ob de kannst oder nich!
aba det glaubste jetzt noch nicht, Junge! Warte ma ab, was das Leben mit dich noch macht!
@ Kurt
Durchaus denkbar, man weiß nie was die Zukunft so bringt. Allerdings habe ich bis dato wenigstens schon mal 20 Jahre gearbeitet.
gratuliere strelon, super gemacht, nimm dir nen keks.
du betrachtest die sache wirklich verdammt einseitig. glaubst du im ernst, dass die mehrheit aller arbeitslosen sich ruhig zurücklehnende sozialschmarotzer sind, die keinen bock auf arbeit haben und mit den paar euro in saus und braus leben? hast du dich eigentlich jemals länger als 10 Minuten mit einem Langzeitarbeitslosen unterhalten?
Unser soziales Netz fängt schon jetzt nicht jeden auf. Vielleicht überlegst du dir irgendwann tatsächlich mal, dass es gar nicht schlecht ist, wenn man ein Dach überm Kopf hat und sein essen nicht aus Mülleimern holen muss, wenn das soziale Netz dir mal hilft.
Aber nein, sorry, du hast ja 20 Jahre Arbeit hinter dir, da kann man gut und gerne auf Arbeitslose scheißen.
@ laZee
Ich betrachte in meinem Beitrag nicht die Allgemeinheit der Arbeitslosen, sondern vielmehr diejenigen, welche noch nie einen finanziellen Beitrag für die Sozialgemeinschaft geleistet haben. Insofern bitte ich doch bei einer zukünftigen Kommentierung von einer solchen falschen Pauschalierung abstand zu nehmen. Danke!
“…Besteht doch nach dem Weggang von Franz Müntefering begründet die Hoffnung, dass die SPD um Landesvater Kurt Beck die einst vom Genossen Schröder inszenierte „Agenda 2010“ beerdigt, um dem Selbstbedienungsladen „Sozialstaat“ mal wieder verlängerte Öffnungszeiten zu bescheren…”
sorry, strelon,aber von diesem satz an wird es dünnpfiffig.
“…würde es dem seit 20 Jahren arbeitslosen 40-jährigen alkoholkranken „Vati“ nebst Frau und zwei Kindern mit katastrophaler Sozialprognose bestimmt freuen….”
—was hast du für ein bild eines arbeitslosen?
zuviel klischee-zeitungen gelesen?
alleine diese von dir beschriebene konstellation dürfte nicht allzuoft vorkommen.
ich kenne viele (damals junge und leider nach der ausbildung nicht übernommene) arbeitslose, die seit 5-8 jahren sich mit aushilfsjobs und mehr oder weniger 400eur jobs über wasser halten. ok, sie haben leider nicht den bildungsstand, um wie so viele als “ausweichmanöver” studieren gehen zu können. und ich kann dir sagen, man muss keine 20 jahre arbeitslos sein, um am unteren ende in dieser gesellschaft anzugelangen !
ICH hab im märz noch gut geld verdient. demnächst bin ich HARTZianer. ich hab 2 ausbildungen, aber leider wenig berufserfahrung. das ist die crux! die firmen,die neue arbeitsplätze schaffen, wollen “fertige” wollmilchsäue, 20 jahre alt,5 jahre berufserfahrung, 3 ausbildungen und am besten für 1000 netto.
und ich kann dir sagen, ich kenne einige fähige leute, sei es programmierer, webdesigner oder fisis. sie bekommen keine arbeit, weil sie “anfänger” sind. berufsanfänger haben es so schwer wie noch nie. ich bin über 1.000km fürn vorstellungsgespräch gefahren – war aber nix. man entschied sich für einen anderen bewerber aus der region, “der noch besser zum profil passt”.4 vorstellungstermine in 3 wochen – davon träumt manch anderer arbeitsloser jahrelang.
ich jockel nu für ne trainingsmaßnahme 150km/tag durch die gegends, in der hoffnung, daß mir,-einem berufsanfänger-jemand mal ne chance gibt.
…ich rauche nicht, trinke keinen alk, bin keine 40 und auch keine 20 jahre arbeitslos, bin unverheiratet und hab keine kinder. ich bin motiviert, arbeitswillig, interssiere mich für mehr als nur ein berufsbild, und gute schulnoten hatte ich auch.
ich nehme deine “schreibweise” mal als satire zur kenntnis-.leider ohne vorwissen deinerseits,wie es scheint.ich vermute mal, du bist noch “jung”. bei mir lief 25 1/2 jahre alles glatt. ein fast perfekter lebenslauf. die erfahrungen, die ich seitdem gemacht habe, “gönne” ich keinem guten menschen. die “schlechten” im lande sollten diese aber auch einmal alle durchmachen.
die welt ist ungerecht und das leben ist unfair – nur nicht zu den, absahnern, egoisten und ellenbogenremplern dieser nation, und – ein paar ausnahmeerscheinungen, die extremst mehr aufm kasten haben als alle anderen – die gehen dann, wenn sie mit ende 20 ihr diplom in der tasche haben, ins ausland
. wer lügt, betrügt, intrigiert und eiskalt andere abzockt, hat mehr vom leben in deutschland – dazu gehöre ich nicht.
–so, nu habsch mich geoutet
@ phil
Ich verstehe nicht, dass Du dich mit deiner Lebensgeschichte von meinen Ausführungen überhaupt angesprochen oder womöglich sogar verletzt fühlst. Stehen doch Deine persönliche Erfahrungen in keinem Zusammenhang mit dem von mir skizzierten Fall. Darf man in Deutschland nicht mehr die Menschen kritisieren, die ihr gesamtes Handeln nur darauf abstellen, wie sie möglichst viel Geld vom Staat kassieren können?
Ist es doch erwiesen, dass gerade solche Bürger unsere Sozialsysteme nachhaltig gefährden und so die gesamte Solidargemeinschaft schädigen.
Außerdem stellt der Artikel im Kern auf die politischen Unmöglichkeiten der SPD ab, welche zunächst Sozialleistungen kürzt, um diese bei schlechten Umfragewerten wieder zu erhöhen.
Glaubwürdige Politik sieht anders aus.
> Darf man in Deutschland nicht mehr die Menschen kritisieren, die ihr
> gesamtes Handeln nur darauf abstellen, wie sie möglichst viel Geld
> vom Staat kassieren können?
Sicher darf man das. Tut man ja auch. Quasi jedes Magazin, jede Reportage, jeder Artikel einer Zeitung zu dem Thema. Arbeitslose haben dadurch einen verdammt schlechten Ruf, der zu ihrer unschönen Situation hinzukommt. Dafür schämen sich viele Arbeitslose.
Phil und ich waren sicher nicht die Einzigen, die der Text aufgeregt hat. Das liegt daran, dass man beim Lesen nicht den Eindruck bekommt, du kritisierst zielgerichtet eine kleine Gruppe von schwarzen Schafen unter den Arbeitslosen, sondern undifferenziert alle. Warum man darauf kommt? Weil du für Sanktionen bist, die nicht nur diese kleine “Sozialschmarotzer” Gruppe treffen, sondern alle.
Mit deinem Text zum “Selbstbedienungsladen Sozialstaat” klammerst du schlicht die Empfänger der Leistungen aus, für die dieser Sozialstaat erdacht wurde.
@ laZee
Selbst mit einigem Abstand kann ich eine Verallgemeinerung (alle Arbeitslsoen) in meinem Beitrag nicht erkennen.
Dennoch nehme ich die Kritik gerne an und werde zukünftig versuchen bei solchen Themen noch genauer zu formulieren.
Na also, min Jung! Meinste, Onkel Hartz is 5 Sterne mit Kost und Logis frei? Dann musszte da mal sitzn! Freiwillich machste das nie! Kannste globen. Aber ich sach mal so, die nich humanistisch sind gegenüber die Kranken und Alten, die solln doch ihre Arbeit uffgebn und mit Hartz tauschen. Soll se mal sehn, wat fürn Luxus son Lebn is! Die reden doch blos kariert, weeste! Oder sind wa hier wieder im 3. Reich, wo die alle ausgemerzt werden solln? Die nich so können wie se wolltn? Wat soll denn der Papa mache, wenn der auf Alk is? Kaputte Leba, wa! Meinste, der hat sich dat Schicksal ausjesucht? Du hast Nerven, Junge!
[...] dieses eigentlich ja gar nicht nötig war, da sich Angriffsspieler „Münte“ durch Sätze wie „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ und dass es “unfair sei” Parteien an ihren Wahlversprechen zu messen, wiederholt selbst [...]
“…Außerdem stellt der Artikel im Kern auf die politischen Unmöglichkeiten der SPD ab, welche zunächst Sozialleistungen kürzt, um diese bei schlechten Umfragewerten wieder zu erhöhen….”
ich behaupte mal, daß macht jede partei, wenn sie am hebel sitzt.
dem kleinen mann was wegnehmen,den großen geben…dann die hälfte des weggenommenen wieder zurückgeben und es als “sozial” verkaufen.
.-.
ich hab deine art des beitrags nicht persönlcih genommen. die art deiner zuspitzung ließ allerdings auf den zweiten und dritten blick wirklich nur sehr extreme klischee-satire zu.
natürlich gibt es die sozialschmarotzer. aber ich glaube nicht, daß du dann das richtige beispiel genommen hast, bzw. ein “realitätsnahes” szenario.
wie wärs mir dem 19jährigen schulabbrecher mit 3er bmw, goldkettchen und markenklamotten, der nebenbei handys vertickt,die vom lkw gefallen sind?….
dieses szenario ist dann auch nicht viel besser.
es ist womöglich nicht auf eine solche ebene herunterzubrechen. bei den aktuell ca. 4 mio, von denen .-. vermute ich mal .-. locker 2 mio keine sozialschmarotzer sind.
das system an sich war nie auf 80 mio menschen ausgelegt, geschweige denn auf einen schuldenberg, wie ihn kohl in 16 jahren angehäuft hat.
der demografische faktor ist wohl nur ein aspekt von vielen, die zu der aktuellen misere geführt haben. die grauzonen jedes systems werden immer vom selben schlag mensch ausgenutzt – die, auf die ich gern verzichten könnte!!!!
das sind die “in tempo 30-zone-mit-70-überholer”—das sind die “an-der-kasse-vordrängler”, die “tür-nicht-aufhalter”.
ok, ich schweife ab
…alles schall und rauch .
münte ist weg, und sein spruch wird bald nur noch in den annalen der geschichte zu finden sein, oder bei jauch als quizfrage !
…wie war das mit adenauer? (”was interessiert mich mein geschwätz von gestern?!”) …
Du bist echt ein gutes Beispiel für so einen Vollzeitassi. Will nicht bestreiten, dass es keine Sozialschmarotzer gibt, aber Leute mit Deiner Einstellung gehören genau wie die Sozial-Schmarotzer erschlagen! Du bist keinen Cent mehr Wert als die und wegen Leuten wie Dir geht dieses Land langsam vor die Hunde.
Zu erst ich, dann 2 Kilometer gar nichts und dann die Anderen, was?
Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“
Diesen Spruch muß man relativiert sehen, denn Arbeit kann auch bedeuten, sich um Arbeit zu bemühen.
Wer sich um Arbeit bemüht, ob diese Bemühungen von Erfolg gesegnet sind oder nicht, der ist es auch wert, daß die Solidargemeinschaft unter die Arme greift.
Wer sich aber in der sozialen Hängematte ausruht, obwohl er arbeiten könnte, sollte schnell aus der selbigen rausgeschmissen werden.
Wenn keiner mehr was leistet und keiner mehr Arbeitet, gibt es keinen mehr, der das Geld für Sozialleistungen aufbringt. Von nichts kommt nichts.
Das ist doch sicher nicht schwer zu verstehen, oder?
Dem ganzen blöden Gewäsch der Medien zum Trotz bedeutet ein Leben mit Harz IV Armut und Ausschluß, das ist keine Hängematte, nirgendwo. Es ist häufig Depression, Alkoholismus, Perspektivlosigkeit. Und zwar als Folge davon, nicht gebraucht und verzichtbar zu sein. Das macht Leute richtig kaputt.
Und die Harz-IV-Leute, das sind sehr viel mehr als die offiziellen Zahlen, weil man viele schlicht nicht zählt, wenn sie zum Beispiel wie ich auf ein Kleinkind aufpassen oder in einer dieser recht sinnfreien Maßnahmen vom Amt stecken, 1-€-Job und dergleichen mehr. 2007 waren es über 3 Millionen, die einfach nicht gezählt wurden (aber vom Amt bezahlt).
Strukturelle Arbeitslosigkeit, das Phänomen, das heute ein kleiner Teil der Bevölkerung ausreicht, um unsere Arbeit zu tun, und es eben sehr viele Arbeitsplätze in der Landwirtschaft oder im Automobilbau einfach nicht mehr gibt, weswegen Vollbeschäftigung illusorisch ist (es sei denn durch gemeinnützige Zwangsarbeit ohne Lohn, aber da zahlt ja auch wieder der Staat) – das könnte man auch berücksitigen.
Und noch mal von einer ganz anderen Richtung: “In den Häusern der Reichen liegt das geraubte Gut der Armen” (vgl. Jesaja 3,14). Es liegt nicht an den Armen, dass sie schwach sind. Sie wurden aussortiert und runter gedrückt und beklaut und um ihre Möglichkeiten gebracht. Und es liegt nicht im Interesse der Menschen, die Gesellschaft durch total schroffe Gegensätze zu entfrieden – unsere Sozialgesetze schützen nämlich den inneren Frieden, in dem Maße, wie sie allen Menschen erlauben, einigermaßen gut zu leben.
Und nochmal anders: “No Investigation, no right to speak!” (Mao, sonst von mir ungern zitiert). Wer sich mit Langzeitarbeitslosen mal eine Weile unterhält, kann rasch erfahren, wie das so ist, und es gibt Gründe dafür, warum Menschen bei dem Gedanken daran, arbeitslos zu werden, die nackte Panik kriegen.
Nochmal: Hängematte, das ist nicht. Wer sowas behauptet, ist uninformiert oder hetzt oder schwätzt blöde daher. Bitte laßt das sein, Leute. Nach unten treten ist zwar leicht, aber wer das macht ist ein fieses Schwein. Und bitte sehr, die Bedingungen unserer aller Leben werden uns nicht von denen da unten, sondern von denen da oben vorgegeben.