Kinobesuch: Wo ist Fred?
27. November 2006 von Strelon
Ein Besuch im Kino kann besonders dann eine gute Alternative darstellen, wenn man einer Einladung von Freunden zum ach so gemütlichen abendlichen Besäufnis Beisammensein begründet entfliehen will.
So geschehen am letzten Freitag, als sich meine Frau und ich nach langer Zeit mal wieder aufmachten, um nicht etwa den tags zuvor angelaufenen neuen “James Bond – Casino Royale” sondern “Wo ist Fred?” anzuschauen. Bei “Wo ist Fred?” handelt es sich um eine hochkarätig mit deutschen Schauspielern besetzte 110 minütige Slapstickkomödie die den Zuschauer grenzüberschreitend ins Behindertenmilieu führt. Eine grotesk lustige Geschichte in der Til Schweiger den Polier Fred spielt, welcher das Herz seiner liebsten Mara (Anja Kling) endgültig erobern möchte. Dies ist nur möglich, indem er auch die Sympathien ihres Sohnes Linus gewinnt. Sehr schwierig, da es sich bei dem kleinen um ein antiautoritär verzogenes und degeneriert fettes Kind handelt, welches Fred nur akzeptieren will, wenn dieser ihm einen handsignierten Basketball von ALBA-Berlin besorgt.
Solche Bälle werden grundsätzlich nur nach Spielende auf die Behindertentribüne der Arena geworfen und so besorgt sich Fred auf anraten seines Freundes Alex (Jürgen Vogel) einen Rollstuhl um im Reich der “Behindis” (Filmzitat) platz nehmen zu dürfen. Der Plan scheint zu funktionieren. Fred ergattert mit einem kleinen Trick, auf Kosten von Rollstuhlfahrer Ronny (Christoph Maria Herbst) den Ball und so scheint sein Liebesglück vollkommen. Pech nur, dass er den Ball nicht gleich mitnehmen kann, und Pech, dass jetzt auch noch eine Reporterin (Alexandra Maria Lara) auf ihn aufmerksam wird, da sie gerade die Behindertenfreundlichkeit von ALBA in einem Imagefilm dokumentieren soll.
Bis zur endgültigen feierlichen Ball-Übergabe in einer Woche muss Fred entsprechend seine Rolle weiterspielen und zwischen behindert und nicht behindert, gepaart mit reichlich absurden Handlungen und einem Geflecht aus Widersprüchen und Heimlichkeiten, seinen Mann stehen. Es scheint klar, dass dies nicht ohne weiteres gelingen kann. Trotzdem wird an dieser Stelle der tatsächlichen Ausgang nicht verraten.
Auch schon deshalb, da die teils krank zynisch anmutende Story viel von dem zeigt, was man selbst mit behinderten Menschen gerne assoziiert. So muss Fred phasenweise den spuckenden zitternden stummen “Krüppel” mimen, um seine vermeintliche Behinderung artgerecht darstellen zu können. Extrem komisch aber eben auch ein Abbild gesellschaftlichen Denkens. Zum Glück sind viele Szenen derart daneben, dass das Lachen die Nachdenklichkeit vollkommen überlagert. Trotz Humor und wenig Tiefsinn handelt es sich nicht um einen Film der ein Tabu bricht und sich über Behinderte lustig macht, sondern vielmehr um eine gekonnt intelligent gemachte Posse, der eher den “so” normalen Menschen zur Randgruppe degradiert. Hier mal ein kurzer Ausschnitt zum besseren Verständnis.
Dies alles kann natürlich nur gelingen, da ein Schauspieler wie Christoph Maria Herbst in der Rolle des Ronny neben Til Schweiger über sich hinauswächst und im Gegensatz zu allen weiteren Akteuren unerreicht bleibt. Es ist schön, dass er neben “Stromberg” auch so etwas brillant spielen kann. Aber auch ein Jürgen Vogel und eine bezaubernde Alexandra Maria Lara wissen zu überzeugen, obwohl die vorgenannte ihre schauspielerischen Qualitäten nur gelegentlich zeigen muss. Was stört ist lediglich die Tatsache, dass das omnipräsente Product Placement (Werbung) oftmals aufdringlich ablenkt, was sicherlich daran liegt, dass die Besetzung des Films sonst nicht in der Güte hätte erfolgen können.
Meine Frau und ich verließen jedenfalls sehr angetan, aufgemuntert und wach das Kino verbunden mit dem Hinweis, dass es sich lohnt einem solchen Kinovergnügen beigewohnt zu haben.
THE END
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Also der Trailer scheint ziemlich vielversprechend zu sein ich denke ich werde mir den Film mal anschauen danke für den Artikel