Mein 11/9 – Gedanken zum Mauerfall 1989
9. November 2006 von Strelon
Nun ist es auf den Tag genau 17 Jahre her, dass die Berliner Mauer das Zeitliche gesegnet hat. Dabei fing damals dieser Tag völlig unspektakulär an und keiner konnte auch nur im Ansatz ahnen, dass Geschichtsbücher in Zukunft darüber berichten werden. Denn es war wie immer in Berlin (West). Man ging zur Arbeit oder studierte in einer Millionenstadt mit Provinzcharakter. Die Mauer selbst begegnete einem nur bei den sonntäglichen Familienausflügen in der Form, dass jede längere Tour zwangsläufig mit dem Anblick der Mauer am Stadtrand endete. Oder vor der Fahrt in den Urlaub nach Westdeutschland beim passieren der gigantisch gesicherten Kontrollstellen und den unnahbar wirkenden „Vopos“ und Grenztruppen der DDR.
Für mich ein Stück weit Normalität, da 1966 geboren und mit der Teilung der Stadt aufgewachsen. Trotzdem fühlte ich als (West-)Berliner immer eine nicht erklärliche Verbundenheit mit den Menschen in der DDR. Und dies trotz der Tatsache, dass meine Familie keine Verwandtschaft in der Ostzone hatte. Wahrscheinlich hervorgerufen durch die vielen Fahrten auf den Transitstrecken. Prägten doch Eindrücke von rauchenden „Trabbis“ am Straßenrand und die graue Trostlosigkeit der Dörfer an der B5 (F5) mein kindliches und jugendliches Bewusstsein. Aber auch die fröhlich winkenden Menschen auf Autobahnbrücken und an Ortseingängen sind mir noch heute gegenwärtig. Wie gerne hätte man doch eine Staude Bananen, Nylonstrümpfe, Milka Schokolade oder gar ein Pfund Jacobs-Kaffee aus dem halb geöffneten Stahlkurbelschiebdach geschmissen, um so seine Verbundenheit mit einer kleine Geste zu bekunden. Leider unmöglich und verboten, da die diktatorische Staatssicherheit allgegenwärtig war. Auch wir „Wessis“ waren eben keine Helden.
Halt alles ganz normal und so saß auch ich am Abend des 09. November 1989 mit meiner damaligen Freundin in der Einzimmer-Butze (Wohnung) in Berlin-Spandau entspannt vor dem Fernseher, bis erste Meldungen und Bilder von einer möglichen Grenzöffnung die Runde machten. Eher ungläubig und stumm sah ich dann, dass „Bürger der DDR“ den Grenzübergang – Bornholmer Straße in Richtung Westen passieren durften. Ich bekam Putenpelle Gänsehaut, schaltete den Fernseher aus und ging schlafen, da dieses Ereignis außerhalb meiner Vorstellung lag.
Erst als ich am nächsten Morgen, den 10. November, auch weiterhin Live-Reportagen von sich in den Armen liegenden weinenden „Ossis und Wessis“ in allen Fernsehkanälen sah, war für mich klar, dass sich Deutschland und besonders Berlin über Nacht in Gänze verändert hat. Ich traf mich sogleich mit einem guten Freund und wir fuhren an das Brandenburger Tor, um mit eigenen Augen das Unglaubliche zu sehen. Und tatsächlich die ganze Stadt war unterwegs und stank nach Zwei-Takt-Gemisch aus den tausenden „volkseigenen“ Wartburgs und Trabbis, welche auf den Straßen vor sich hin blähten.
Im Anschluss fuhren wir weiter zur Gedächtniskirche direkt am Kurfürstendamm, dem ausgemachten Treffpunkt der Vereinigungsorgie. Spontan kurbelten wir dort die Seitenfenster unseres Autos runter und signalisierten einem neben uns fahrenden Lada gleiches zu tun. In diesem saßen 2 junge Paare aus Ostberlin, welche wir ansprachen und zu einem ausgiebigen Frühstück in das Szene-Café NEW YORK am Olivaer Platz einluden. Eine wirklich einmalige und schöne Begegnung mit uns völlig unbekannten Menschen, die unvergesslich bleibt. Schließlich konnten wir etwas über „goldene Hausnummern“ und sonstige sozialistische Lebensweisen hören, die uns bis dahin fremd waren.
Zurück in der Gegenwart ist es sicherlich richtig, wenn Politiker an diesem Jahrestag von einem „Glücksfall“ sprechen. Für mich persönlich sowieso, da ich meine jetzige Frau nur deshalb kennen gelernt habe, weil die Mauer in jenem Herbst 1989 gefallen ist.
Gruß
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*loool*
Oh ja, sicher, die wären Dir ewig dankbar gewesen, wenn Du sie gerettet hättest.
Da fällt mir die Szene aus dem Film “Sonnenallee” ein, indem die beiden Jungs in Ost-Berlin sich einen Spaß daraus machen, hinter einem Bus aus West-Berlin herzurennen und zu rufen “HUNGER! HUNGER!”. Vielleicht haben die Wessis ja deshalb gedacht, das sie uns Weihnachten Klopapier und ALDI-Schokolade schicken mussten.
Och Daniel,
nun aber schnell zurück ins Arbeiterschließflach und Besserung geloben.
Schließlich hast Du bis heute nichts verstanden.